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Martina Karl gefällt

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Wenn sich im Paradies eine Menschenseele und eine Hundeseele begegnen, muss sich die Menschenseele vor der Hundeseele verneigen. (sibirisches Sprichwort)

Bericht zu unserem Aufenthalt bei Svetlana

Sibirien, Juli 2012

Wir kamen an das Tierheim rangefahren und Svetlana sass auf einem Bretterhaufen. Sie hat auf uns geduldig gewartet.

Zwei Wochen kommt nun Leben in ihr sibirisches meist einsames Dasein. Ich sehe sie dort sitzen und mein Herz klopft. Ich sehe sie endlich wieder, nach einem ganzen Jahr. Sie umarmt mich stürmisch und fällt in ihren Singsang vor Freude und ich bin froh, sie gesund wieder in den Armen zu haben. Im Tierheim werden wir von dem grossen Rudel Hunde stürmisch begrüsst. Ich erkenne auch Hunde wieder, die letztes Jahr schon da waren. Auch neue Tiere sind dabei. Ich freue mich, da sie relativ gut ernährt aussehen. Svetlana zeigt uns stolz auf ihrer ersten Runde mit uns, was alles schon wieder neu gebaut wurde. Ich bin sehr überrascht und freue mich riesig über all die Neuerungen wie das Katzenhaus, die Krankenstation und der neue OP, sowie diverse neue Zwinger. Die Spenden werden wirklich eingesetzt und nichts versickert oder verschwindet. Alles da! Auch sehen wir viele Welpen, die zunehmen werden, während unseres Besuchs.

Es waren in der Zeit 36 und als wir gingen hatten wir noch hinten 17. Die Welpen bei den "Vergessenen und den "Dicken nicht mitgezählt. Wir haben über die Hälfte zu Grabe getragen. Die Staupe rafft die Tiere einfach hin. Trotz Infusionen, Medikamenten, konnten wir viele nicht retten. Jeder Gang zum Grab wurde für mich schwerer und schwerer. Einen Tag vor der Rückreise brachte ich den letzten Welpen weg. Ich konnte kaum noch laufen vor Kummer. Ute und Nika, sie kamen zum ersten Mal mit, stürzten sich in die Arbeit. Schweigsam haben wir Zwinger und Gelände von Hunde- und Katzendreck und Abfällen befreit. Sack um Sack und Haufen um Haufen haben wir zusammen getragen und das bei der Bruthitze. Ich möchte mich von Herzen bei diesen zwei Mädels bedanken. Ohne sie hätte ich manchmal nicht gewusst, wie wir das alles schaffen sollen. Nika hat sich mit ihrer riesen Erfahrung als Tierarzt-Assistentin ganz liebevoll für die Schwächsten aufgeopfert.

Oft haben wir geschuftet bis an die psychische und körperliche Belastungsgrenze. Wir sind auch oft gescheitert, wenn alles an Medikamenten nicht half und wir die Kleinsten sterben sahen. Hilflos mussten wir in die Tiere über die Regenbogenbrücke begleiten. Doch andere haben überlebt. Springen fröhlich rum und ich hoffe, sie schaffen ihren ersten Winter, Unser Kastrationsprogramm ist gescheitert und wir haben ein Jahr Arbeit verloren. Nicht jeder Mensch ist für den harten Auslandstierschutz gemacht und man geht mit falschen Vorstellungen in eine andere Kultur und kann sich nicht zurechtfinden. Wir werden nun kein Tierarzt-Team mehr mitnehmen. Wir werden den russischen Ärzten, welche Svetlana auch wohlgesonnen sind, die Arbeit übertragen und hoffen, dass sie regelmässig kastrieren gehen. Wir haben gute Gespräche geführt. Daria, unsere Daria. Ein so zarter Körper und ein so zarter lieber Geist hat sich in die Arbeit geschmissen und ebenfalls gekämpft, geschuftet und gelitten und manchmal haben wir auch gelacht. Ohne sie hätten wir in diesem Land keine Chance. Wir sprechen die Sprache nicht. Sie hat eine wunderbare Organisation abgeliefert. Behörden, Übersetzungen, Arbeit und auch ein paar schöne Stunden hat sie uns beschert. Wir haben ein paar Ausflüge gemacht an verschiedene Seen in die Natur.

Dieses Sibirien hält mich gefangen, mit all der Natur, die Weite des Landes. Wir gingen schwimmen und Svetlana war auch dabei. Sie hatte so viel Spass. Das ist wohl eher sehr selten. Ich durfte wieder bei der Oma wohnen und genoss eine die Fürsorge dieser lieben Frau samt ihrem mega leckeren Essen. Wir waren in ihrer Datscha, was bei uns ein Schrebergarten ist. Dort wachsen die Früchte ganz natürlich ohne Chemie. Ein Geschmackswunder. Darias Freunde Julia und Roman bekochten und versorgten uns auch wieder. Ich habe sie tief in mein Herz geschlossen. Daria hat mir Sibirien wieder ein Stück näher gebracht. Bei aller Armut, welche die Menschen dort ertragen, auch dran scheitern, gibt es ganz viele liebe und herzliche Menschen dort. Ich bin sehr dankbar, daran teil haben zu dürfen. Daria, du bist einfach grossartig und dir gilt mein ganzer Respekt. Nika, du bist mein Engel. Ich habe so eine schöne Zeit mit dir erlebt, auch wenn's trauriges Stunden gab. Wir haben zusammen gehalten uns nicht beirren lassen. Haben zusammen gewohnt und zusammen viel geredet. Du bist mit vollem Herzen bei Svetlana eingestiegen und ich brauche nächstes Jahr gar nicht ohne dich bei Svetlana auftauchen. Svetlana hat dich ebenfalls sehr in ihr Herz geschlossen. Das hat sie mir gesagt. Als du abreisen musstest, habe ich dich wirklich sehr vermisst. Wir haben auch zusammen gelacht. Und ich bin so froh, dass du dabei warst. Du und Ute, Daria und ich, wir sind ein gutes Team und ich freue mich bereits jetzt auf das nächste Jahr. Auf den Strassen Abakans haben wir auch wieder tote Tiere gesehen. Traurig ist das und ich bin immer wieder tief getroffen.

Aber es gibt auch Menschen, die gefundene Welpen versuchen gratis an Familien zu vermitteln, damit sie nicht verhungern müssen. Auch diese Seite gibt es. Das macht mir doch irgendwie Hoffnung. Sibirien, vom "zivilisierten Russland" im Stich gelassen, versucht zu überleben. Die Häuser, Fabriken fallen auseinander. Renovationen kann sich kaum jemand leisten. Viele Menschen dort fühlen sich verlassen, vom Staat, von Putin von der Gesellschaft. Viele trinken, verlieren die Hoffnung. Bildung gibt's kaum. Die Frauen heiraten sehr jung, weil sie glauben, dann kommen sie raus aus dem manchmal verhassten leben und dann erwachen sie, weil sich nicht wirklich etwas ändert. Jung mit Kindern harren sie aus. Und doch sprüht im Sommer das Leben. Es wird geheiratet, gefeiert, Spass gemacht, den Sommer geniessend, bevor wieder 9 Monate das Land in der Kälte verstummt und alles unter eine Schneedecke versinkt. Dann wird es still in Abakan. Die Menschen verlassen die Häuser, weil sie müssen. Tiere erfrieren, verhungern, leiden elendlich. Dann kommt wieder die ganze Härte eines langen traurigen Winters. Meine Sorge gilt bereits jetzt schon Svetlana und den Tieren. Immer noch ohne Strom und ohne warmes Wasser. Nun bin ich wieder in meinem Zuhause. zwischen Kühlschrank und TV. Ich komme mir wie letztes Jahr schon, sehr komisch vor. Letztes Jahr habe begonnen, Überflüssiges auszumisten. ich lebe schon recht einfach, aber es beschämt immer wieder, dass wenn ich nur 4 nackte Wände hätte, immer noch mehr habe als Svetlana. Und so viele Menschen sind immer noch unzufrieden. Svetlana klagt nie. Danken möchte ich auch allen Spendern, die durch ihre Spenden immer wieder Vertrauen in uns setzen. Das ist nicht selbstverständlich. Allen Menschen die Anteil an Svetlanas Leben und dem Leben ihrer Tiere nehmen, danke ich von Herzen. Denn ohne euch, könnten wir dort rein gar nichts tun.

Für mich sind die Spender die Diamanten im Tierschutz.

Svetlana, wir kommen wieder, versprochen.